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Aktuelles

Pressemeldung | Hamburg | 15. Mai 2020

Der Hamburger Süden bleibt psychotherapeutisch unterversorgt

MVZ Verhaltenstherapie Falkenried muss Ambulanz in Harburg schließen

Es besteht Konsens, dass psychisch kranke Menschen im Süden Hamburgs unterversorgt sind. Ein Blick auf die Verteilung von Psychotherapie- und Psychiatriepraxen weist auf einen eklatanten Mangel an Behandlungsangeboten südlich der Elbe hin. Auch die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH) bestätigte in der Vergangenheit diese Schieflage. In Abstimmung mit der KVH wurde daher das Projekt einer Ambulanz in Harburg ins Leben gerufen. Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Verhaltenstherapie Falkenried erklärte sich bereit, eine Ambulanz mit einem kultursensiblen Schwerpunkt im Hamburger Süden aufzubauen. Alle waren sich darüber einig, dass dafür zusätzliche psychotherapeutische und psychiatrische Kapazitäten geschaffen werden müssen. Nach zweijähriger Vorarbeit wurde Mitte 2018 die neue Ambulanz eröffnet. Anträge für die erforderlichen Sonderbedarfe wurden auf den Weg gebracht. Mit „Bordmitteln“ entstanden erste Therapieangebote. Wie erwartet war die Nachfrage riesig. Alles war bereit für den Ausbau der Ambulanz mit ausreichenden Therapie-Ressourcen. Leider kam es anders als geplant: Anfang dieses Jahres verwehrte der Zulassungsausschuss die Genehmigung der benötigten Therapeutenstellen. Ohne Unterstützung sehen wir uns nun gezwungen, unsere Ambulanz in Harburg vorerst stillzulegen. Wir bedauern diesen Schritt.

2016 planten wir in enger Absprache mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH) eine Ambulanz für Gruppen- und Einzelpsychotherapie mit integrierter psychiatrischer Behandlung für das Einzugsgebiet Harburg. Den Standort wählten wir auf ausdrückliche Bitte der KVH, da hier besondere Versorgungsdefizite erkannt worden waren.

Mitte 2018 eröffneten wir diese Ambulanz. Zuvor stimmten wir uns mit regionalen Anbietern (Asklepios Klinikum Harburg, PSAG Süd) über den Versorgungsbedarf im Hamburger Süden ab. Es sollten keine unnötigen oder doppelten Angebote entstehen. Bis heute haben wir am Standort Harburg mehr als 500 Patient*innen in Gruppen- und Einzeltherapie behandelt. Ungefähr 500 Patient*innen warten momentan noch auf den Start ihrer Therapie. Unser Angebot für den Hamburger Süden wurde ganz bewusst auch auf Menschen mit Migrationshintergrund ausgerichtet. Gerade dieser Bevölkerungsgruppe fehlen ausreichende Therapieangebote. Wir entwickelten ein kultursensibles Behandlungskonzept mit einem multikulturellen Therapeuten*innen-Team. So fand eine spezialisierte Psychotherapiegruppe für Frauen türkischer Herkunft statt, geleitet von einer Psychologin türkischer Abstammung.

Die erste Stufe im Aufbau der Ambulanz in Harburg gelang uns dank der Zusammenarbeit mit kooperierenden Krankenkassen. Zusätzlich liehen wir Ressourcen und Personal aus anderen Standorten aus, eine Maßnahme mit zeitlicher Begrenzung, die zwangsläufig zu Lasten bewährter Behandlungsangebote gehen musste. Bereits in der frühen Planungsphase erörterten wir das Kapazitätsproblem mit der KVH. Angesichts der Versorgungsdefizite im Hamburger Süden waren sich alle Beteiligten einig: Ein nachhaltiges Versorgungsangebot in Harburg kann nur mit Hilfe zusätzlicher Therapeutenstellen aufgebaut werden, das heißt über die Genehmigung eines Sonderbedarfs für Psychotherapie und Psychiatrie. Im Einvernehmen und in Abstimmung mit der KVH wurde dies zur Grundlage für den Aufbau einer Ambulanz in Harburg gemacht. Ein Antrag auf Sonderbedarf wurde gestellt.

Anfang 2020 erhielten wir zu unserer großen Überraschung die Ablehnung auf unseren Antrag durch den Zulassungsausschuss. Der Bescheid basiert auf einer Stellungnahme der KVH, in der es heißt: „Nach der Überprüfung der Versorgungssituation scheint die verhaltenstherapeutische Versorgung der Versicherten in Hamburg sichergestellt zu

sein. Eine abschließende und absolute Aussage ist jedoch seitens der Kassenärztlichen Vereinigung aufgrund der vorliegenden Daten nicht möglich.“

Der Bescheid des Zulassungsausschusses berücksichtigt weder die örtliche Besonderheit im Süden von Hamburg noch die große Anzahl an Patient*innen auf den Wartelisten vieler Therapeut*innen. Tatsächlich weist eine Befragung der Psychotherapeut*innen durch die KVH einen erheblichen Mangel an Behandlungsplätzen aus. Wir werden Widerspruch gegen den Bescheid einlegen, unsere bisherigen Erfahrungen mit den Ausschüssen stimmen uns jedoch nicht optimistisch. Für eine Fortsetzung unseres Engagements in Harburg ist uns damit die Planungssicherheit entzogen worden.

Zum 31.5.2020 müssen wir unsere Ambulanz in Harburg vorerst stilllegen. Wir bedauern diesen Schritt sehr. Den Patient*innen auf unserer Warteliste werden wir selbstverständlich eine Behandlung bei uns im Hamburger Norden anbieten. Lange, teils unzumutbare Fahrzeiten sind die Folge. Genau das hat allerdings der Zulassungsausschuss als „bedarfsgerecht“ angesehen.

Die Geschäftsleitung der Verhaltenstherapie Falkenried MVZ GmbH